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  • AutorenbildDr. Linny Geisler

Wie unsichtbar sind Frauen mit einer problematischen Internetnutzung immer noch?

Mittlerweile ist bekannt, dass auch Mädchen und Frauen eine problematische Internetnutzung entwickeln können - wenn nicht sogar eine Internetnutzungsstörung. Doch leider greift hier immer noch die Klischee-Schublade. Denn wer an Frauen und Mädchen mit einer Internetsucht denkt, hat in erster Linie eines vor Augen: Social Media und Handys. Dabei gibt es auch bei Frauen die volle Bandbreite an Ausprägungen, die eine problematische Mediennutzung zeigen kann.


In Prävalenzstudien wiederholt sich die Aussage, Frauen wären von einer Spielproblematik weniger betroffen. Dies mag im quantitativen Sinne korrekt sein, allerdings besteht das Risiko, dass Frauen als Betroffenengruppe eines problematischen Spielens nicht ernst- und wahrgenommen, wenn man sich allein auf die Anzahl Betroffener fokussiert, anstatt auf die Bandbreite dessen, was alles (noch) Teil der Realität ist.


Auch Frauen können eine Onlinegaming-Problematik entwickeln



Lopez-Fernandez, Williams, Griffiths und Kuss (2019) kritisieren die andauernde Unsichtbarkeit der von einer Onlinespielsucht betroffenen Frauen: "Despite the growing female gaming population, almost all research on gaming addiction is focused on male gamers." (Lopez-Fernandez, Williams, Griffiths & Kuss, 2019, S. 2) Frauen werden hingegen deutlich intensiver hinsichtlich einer problematischen Nutzung des Smartphones oder Sozialer Netzwerke untersucht. Epidemiologisch be-trachtet sind Frauen von diesen Internetanwendungen offenbar tatsächlich häufiger betroffen, insbesondere junge Frauen.


Die prävalenzorientierte Logik, die das Gegensatzpaar "Männer haben ein Problem mit Spielen, Frauen eins mit Sozialen Netzwerken" prägt, hat Vor- und Nachteile. Vorteilhaft ist, dass die nach Internetanwendung differenzierenden Häufigkeitsvergleiche die Versorgungspraxis dahingehend sensibilisieren, dass eine Internetnutzungsstörung in Form einer problematischen Nutzung Sozialer Netzwerke bei Frauen vorkommen kann. Das macht betroffene Frauen "sichtbarer", als wenn bloß nach einer generalisierten Internetnutzungsstörung Ausschau gehalten würde. Nachteilig ist, dass Frauen wiederum hinsichtlich einer Onlinespielproblematik übersehen werden könnten (sowie umgekehrt Männer mit einer problematischen Nutzung Sozialer Netzwerke) oder auch hinsichtlich anderer möglicher Konstellationen. Der Geschlechtervergleich mit Fokus auf den Gegensatz Spielen versus Soziale Netzwerke ist also nicht sinnvoll. Er verfestigt bisherige Erkenntnisse, anstatt neue zu generieren, und verfestigt erneut blinde Flecken im Umgang mit der weiblichen Betroffenengruppe.


Fazit: Auch wenn Frauen als Betroffene einer Internetnutzungsstörung immer "sichtbarer" werden, so werden sie doch wieder "unsichtbar" gemacht, wenn sie auf "typische" Frauen-Medienanwendungen reduziert werden.

Erfahre hier mehr über eine problematische Internetnutzung bei Frauen. In meinem Buch, das auf meiner Doktorarbeit basiert, habe ich 24 Frauen biografisch zu diesem Thema interviewt.


Lopez-Fernandez O., Williams A. J., Griffiths M. D. & Kuss D. J., Female Gaming, Gaming Addiction, and the Role of Women Within Gaming Culture: A Narrative Literature Review. Frontiers in psychiatry, 10, 2019, 454.. Weitere Quellenangaben finden sich in meinem Buch.


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